Das HP Intelligent Resilient Framework (IRF) ist eigentlich nicht von HP, sondern kam 2010 im Zuge der Übernahme von 3COM zu HP. 3COM hat IRF aber auch nicht selber entwickelt, sondern H3C. H3C war ein Joint Venture zwischen Huawei und 3COM, welches von 3COM später komplett übernommen wurde. Soviel zum geschichtlichen Hintergrund des Protokolls. Damit ist auch erklärt, warum es IRF nur bei einigen Switches im HP Networking Portfolio gibt. IRF ist derzeit in den 12500, 10500, 9500, 7500, 5820, 5800, 5500 und 5120 Switches enthalten.
Aber was ist IRF? Das Intelligent Resilient Framework ist vergleichbar mit Ciscos VSS/ vPC. Im Kern geht es darum, dass mehrere physikalische Switches zu einem logischen Switch zusammengefasst werde. Dabei geht der logische Verbund sehr viel weiter über das hinaus, was man z.B. durch Stacking erreichen kann. Im Prinzip ist das keine Neuheit, da es noch diverse andere Hersteller mit vergleichbaren Techniken gibt. Eine Gemeinsamkeit haben alle: Sie sindhochgradig proprietär. Interoperabilität sucht man hier vergebens. Das geht soweit, dass man sogar gleiche Switchmodelle verwenden muss.
Wenn wir im Core redundante Switches, und auch im Distribution oder Edge Layer mehrere Switches verwenden, kommt man um den Einsatz von VRRP und RSTP/ MSTP nicht herum. Auf der einen Seite wird VRRP verwendet um ein hochverfügbares Routing zu haben, auf der anderen Seite werden mittels MSTP (oder PVST) redundante Pfade möglichst effizient genutzt. IRF schlägt in diese Kerbe und vereinfacht derartige Konfiguration extrem. Natürlich kommt man nicht umher ein sauberes Design zu bauen, aber gerade MSTP kann in größeren Umgebungen schnell sehr komplex werden. Zudem wird das Management stark vereinfacht: Man administriert nur noch einen virtuellen Switch, statt mehrerer Switches. Weiterer Vorteil: LACP Trunks von Servern können auf unterschiedliche Switches gehen, solange sie zu einer IRF Domain gehören. Damit verbesser IRF nicht nur die Verfügbarkeit von Netzwerken, sondern auch die verfügbare Bandbreite. Hier gewinnen vor allem bandbreitenintensive Applikationen (z.B. Backup oder VMware vMotion). Besonders einleuchtent wird der Bandbreitenvorteil, wenn man IRF gegen RSTP positioniert, da hierredundante Links wirklich ungenutzt bleiben.
Zusammenfassen eine wahnsinnig coole und mittlerweile sehr ausgereifte Technik. "Leider" nicht in allen HP Networking Switches enthalten, sondern nur bei den Geräten die über den 3COM Merger zu HP kamen. Dafür ist IRF schon in den 5120 enthalten, welche für bereits für knapp 2.000 € zu haben sind.